Ueber Preisherabsetzungen im Buchhandel.

(Bearbeitung: Christine Haug, Mainz; Ute Schneider, Mainz)

1. Textüberlieferung

1.1. Handschriften

1.1.1. Übersicht

Es sind keine handschriftlichen Überlieferungsträger bekannt.

1.2. Drucke

J [Karl]G[utzkow]: Ueber Preisherabsetzungen im Buchhandel. In: Telegraph für Deutschland (Hamburg), Nr. 195, [7.] Dezember 1838, S. 1553-1558 (Rasch 3.38.12.07).
E (Gekürzter Neudruck) Ueber Preisherabsetzungen im Buchhandel. In: Vermischte Schriften von Karl Gutzkow. Bd 2: Vermittelungen. Kritiken und Charakteristiken. Leipzig: J. J. Weber, 1842, S. 3-9. (Rasch 2.23.2.1.1)
Weitere Auflagen: Unvollständiger und glossierter Wiederabdruck in: Heinrich Hoff: Karl Gutzkow und die Gutzkowgraphie. Mannheim: Hoff, 1839, S. 15-37, 77-78.

2. Textdarbietung

2.1. Edierter Text

J. Der Text folgt in Orthographie und Interpunktion unverändert dem Erstdruck. Textsperrungen werden übernommen. Silbentrennstriche (=) werden durch - wiedergegeben. Die Seitenzählung wird mit Klammern [ ] an den betreffenden Stellen in den Text eingefügt.

2.2. Lesarten und Varianten

Die betreffende Ausgabe des "Telegraph für Deutschland" wurde als Probeblatt in einer Auflage von mehreren tausend Exemplaren gratis verteilt, so dass Gutzkows Artikel und Angriff auf Hoff besondere Reichweite erlangte.

Der Neudruck des Artikels in Vermittelungen wurde um die brisanten Stellen gekürzt, aus denen sich der öffentlich ausgetragene Streit (in der Hauptsache zwischen Karl Gutzkow und Heinrich Hoff) entwickelte.

3. Quellen, Folien, Anspielungshorizonte

4. Entstehung

4.1. Dokumente zur Entstehungsgeschichte

4.2. Entstehungsgeschichte

5. Rezeption

5.1. Dokumente zur Rezeptionsgeschichte

1. Heinrich Hoff: Wie Herr Gutzkow über Preisherabsetzungen im Buchhandel faselt. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. [Beiblatt:] Intelligenzblatt der Zeitung für die elegante Welt. Nr. 1, 26. Januar 1839, [S. 1-2] (Rasch 9/2.39.01.26).

2. 135.: Schriftsteller und Verleger. In: Blätter für literarische Unterhaltung. Leipzig. Nr. 36, 5. Februar 1839, S. 145-146 / Nr. 37, 6. Februar 1839, S. 149-150 (Rasch 9/2.39.02.05).

3. Karl Gutzkow und die Gutzkowgraphie. Ein gemüthliches Literaturbild von Heinrich Hoff, als Antwort auf die Abfertigung des Buchhändlers Hoff Wohlgeboren, von Karl Gutzkow. Mannheim: Hoff, 1839. 78 S., 1.Bl. Kl. 8°. Erschien um den 6. März 1839 (Rasch 9/2.39.03.06).

4. [Anon.:] Kleine Chronik [Anmerkung zu einem Beitrag in den "Blättern für literarische Unterhaltung" über die Preisherabsetzung von Büchern]. In: Telegraph für Deutschland, Hamburg. Nr. 40, [9.] März 1839, S. 318-319 (Rasch 3.39.03.09).

5. Ed. Jerrmann: Wie der Buchhändler Heinrich Hoff in Mannheim denkt, handelt und - für sich schreiben läßt. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. [Beiblatt:] Intelligenzblatt der Zeitung für die elegante Welt. Nr. 3, 9. März 1839, [S. 1-2] (Rasch 9/2.39.03.09).

6. [Anon.:] Literarische Notizen. Frankfurt. [Über Hoffs "Gutzkow und die Gutzkowgraphie".] In: Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen Correspondenten. Hamburg. Nr. 68, 21. März 1839, [S. 5-6] (Rasch 9/2.39.03.21).

7. Heinrich Hoff: Das Manifest des Schauspielers Jerrmann in Nr. 3 des Intelligenzblattes der Ztg. f. d. Elegante Welt... In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. [Beiblatt:] Intelligenzblatt der Zeitung für die elegante Welt. Nr. 4, 30. März 1839, [S. 1] (Rasch 9/2.39.03.30).

8. Ein Wort in Sachen des Dr. K. Gutzkow gegen den Buchhändler Heinrich Hoff in Mannheim von A. v. Crz. In: Die Eisenbahn. Leipzig. Nr. 46, 18. April 1839, S. 449-452 (Rasch 9/2.39.04.18.1).

9. Heinrich Hoff, Mannheim, den 7. April 1839: Karl Gutzkow betreffend. In: Allgemeine Zeitung Leipzig. Nr. 113, 23. April 1839, S. 1296 (Rasch 9/2.39.04.23).

10. [Anon.:] Correspondenz. Aus Frankfurt a. M. [Darin über die Broschüre Hoffs gegen Gutzkow.] In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Nr. 80, 25. April 1839, S. 320 / Nr. 81, 26. April 1839, S. 323 (Rasch 9/2.39.04.25).

11. [Anon.:] Zeitung. Die Broschüre des Buchhändlers Hoff in Mannheim. In: Mitternachtzeitung für gebildete Leser. Braunschweig. Nr. 72, 3. Mai 1839, S. 574 (Rasch 9/2.39.05.03).

12. St***.: Xenien. [Zum Streit Gutzkows mit Hoff.] In: Mitternachtzeitung für gebildete Leser. Braunschweig. Nr. 106, 2. Juli 1839, S. 848 (Rasch 9/2.39.07.02).

5.2. Rezeptionsgeschichte

?→ Globalkommentar.

6. Kommentierung

6.1. Globalkommentar

Im Frühjahr 1834 debütierte der Schauspieler Eduard Jerrmann mit Gastrollen in Köln und wies das unseriöse Angebot des Theaterkritikers F. A. Arnold, gegen Schmiergeld eine lobende Theaterkritik zu schreiben, ab, in dieser Zeit eine nicht untypische Offerte eines Theaterrezensenten. Arnold rächte sich mit einer abwertenden Kritik über Jerrmanns schauspielerische Leistung in der "Leipziger Allgemeinen Zeitung" sowie in der Kölner Lokalpresse. Diese Auseinandersetzung zwischen Schauspieler und Kritiker kulminierte in einer publizistischen Debatte, in deren Verlauf bei dem Mannheimer Verleger Heinrich Hoff Jerrmanns Broschüre "Reue und Bekenntnisse von Ed. Jerrmann. Ein Carnevals-Schreiben an den Ex-Companie-Chirurg des Welt- und Staatsboten und Champion des Kölner Carnevals Herrn Dr. B. Rave" (1836) erschien, eine Erwiderung auf einen Beitrag des Kölner Kritikers Bernhard Rave. Der Konflikt weitete sich auf das Verhältnis zwischen Hoff und Jerrmann aus, als in einer Lokalzeitung des Buchhändlers Hoff die abwertende Rezension wiederabdruckt wurde. Hoff rächte sich für einen beleidigenden Brief Jerrmanns mit der Verschleuderung von dessen Broschüre: So reduzierte er den Preis von 36 Kreuzern auf 1 Kreuzer, versprach Abnehmern von wenigstens drei Exemplaren weitere Freistücke und setzte durch dieses Verfahren an einem Vormittag über 600 Exemplare zum Schaden des Autors ab.

Gutzkow nahm 1836 den Streit zwischen Jerrmann und Hoff zum Anlass, die von den Buchhändlern praktizierte Buchpreispolitik anzuprangern. Gutzkow trat für eine internationale Urheberrechtsregelung ein, die die Autoren nicht nur vor nicht autorisierten Übersetzungen, sondern auch vor willkürlichen Preisreduzierungen schützen und das herkömmliche Verlagsrecht, das die vollständige Abtretung der Autorenrechte an den Verleger gegen eine entsprechende Honorierung vorsah, ablösen sollte. Den publizistischen Schlagabtausch zwischen Jerrmann und Hoff und die damit verbundene Verschleuderungsaktion Hoffs, die Gutzkow symptomatisch für die im Buchhandel vorherrschende Auffassung vom literarischen Werk als bloßer kaufmännischer Ware erschien, nahm Gutzkow zum Anstoß für eine öffentliche Diskussion über die Buchpreispolitik.

6.2. Einzelstellenerläuterungen

1,3 Buchhändler Hoff in Mannheim] Heinrich Hoff (1808-1852), Verlagsbuchhändler in Mannheim und engagierter Vertreter der jungdeutschen Bewegung. Wegen seiner radikalen politischen Positionen und der Herausgabe des "Deutschen Liederbuchs" (1847) wurde Hoff wegen Hochverrats verurteilt. Obwohl er bereits nach einem halben Jahr gegen Kaution entlassen wurde, war sein Buchhandelsgeschäft in der Zwischenzeit ruiniert.

1,5 Jerrmann] Eduard Jerrmann (1798-1859), Schriftsteller und Schauspieler, von 1836-1842 Regisseur am Mannheimer Theater.

1,8-9 für 3 Kreuzer] Heinrich Hoff korrigierte in seiner Erwiderung "Wie Herr Gutzkow über Preisherabsetzungen im Buchhandel faselt" süffisant, der Ladenpreis der Broschüre habe sogar nur einen Kreuzer betragen.

1,10-11 Herr O. Wigand in Leipzig] Otto Friedrich Wigand (1795-1870), Verleger und Buchhändler in Leipzig.

1,12 verlegte vor einigen Jahren ein Werk] Der Titel "Bilder und Zustände aus Berlin" von Joel Jacoby (?→ Erläuterung zu 1,13), der bei Wigand 1833 als Kommissionsartikel gehandelt wurde.

1,13 J. Jacoby] Joel Jacoby (1810-1863), Kommilitone Gutzkows an der Berliner Universität aus jüdischer Königsberger Familie. Betätigte sich publizistisch zunächst mit radikalen und liberalen Schriften, z. B. den "Bildern und Zuständen aus Berlin" (?→ Erläuterung zu 1,12), signalisierte aber mit den "Klagen eines Juden" (1837), von Gutzkow kritisiert im "Frankfurter Telegraph" (Neue Folge, Nr. 1, [1.] April 1837, S. 1-5; vgl. Rasch 3.37.04.01), seinen Gesinnungswechsel, zu dem er sich am 30. August 1837 in der "Allgemeinen Zeitung" öffentlich bekannte. Er trat zum katholischen Glauben über. Innerhalb der jungdeutschen Bewegung galt Jacoby ab Mitte der 1830er Jahre als ‚Spion'. Möglicherweise als Reaktion auf Jacobys offenen ‚Verrat' verschleuderte Wigand seinen Kommissionsartikel, der vorher drei Reichstaler kostete, für acht Groschen.

1,13 Apostaten] Apostat: Abtrünniger.

1,16-17 ihren Verlag] im Sinne von ‚in ihrem Verlag erschienene Buchtitel'.

1,17-18 parthienweise] Verkauf ganzer Partien. →? Erläuterung zu 2,8.

1,25 Cirkulär] Rundschreiben.

1,25-26 Buchhändlerbörsenblatts] Verbandsorgan des "Börsenvereins des Deutschen Buchhandels". Die erste Ausgabe erschien am 3. Januar 1834 in Leipzig. Erscheinungsweise zunächst wöchentlich, ab 1837 zweimal wöchentlich.

2,6-7 Handlungen, welche gewohnt sind, für Leihbibliotheken zu verlegen] Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts bedienten belletristische Verlagsunternehmen, u. a. der Leipziger Verleger Christian Ernst Kollmann, Leihbibliotheken mit günstigen Bezugsbedingungen. Die Inhaber großer Leihbibliotheken profitierten von großzügigen Buchrabatten oder Freiexemplaren, manche Verleger druckten einen Teil der Auflage speziell für Leihbibliotheken und reduzierten den Verkaufspreis durch die Verwendung von preiswertem Papier und minderwertigen Einbandmaterialien.

2,8 Parthiepreisen] Partiepreis: Ermäßigter Gesamtpreis bei Abnahme einer großen Anzahl eines Titels oder einer Reihe des Verlages (z. B. 11/10: Die Buchhandlung bezieht 11, bezahlt aber nur 10 Exemplare).

2,24-25 Carl Hoffmann in Stuttgart] Karl Heinrich August Hoffmann (1802-1883), Verleger und Schriftsteller.

2,30 Herrn Hitzig] Julius Eduard Hitzig (1780-1849), Buchhändler, Kriminalrat, Schriftsteller. Setzte sich öffentlich für ein Verbot des Nachdrucks ein. 1838 forderte er mit Erfolg die Berliner Zeitungsredakteure auf, gegenseitig auf den Nachdruck einzelner Artikel zu verzichten.

3,4 Ballen] größere, zum Transport zusammengeschnürte und oft noch ungebundene Büchersendungen.

3,7-8 Lords vom Mühlendamm] Es handelt sich um eine spöttische Berliner Redensart, die im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts üblich war: "'n Lord von' Mühlendamm, Stutzer niederen Ranges. Bis 1820 etwa waren unter dem Mühlendamm die feinsten Schnittwaren- und dergl. Geschäfte; die Kommis strebten durchweg nach Eleganz; daher Lords." (Hans Meyer: Der Richtige Berliner in Wörtern und Redensarten. 6. Aufl. Berlin: Hermann, 1904. S. 83) Die dort ansässigen Textilgeschäfte verschwanden im Laufe des 19. Jahrhunderts und damit auch die ironische Anspielung.

3,26 Cession] Übertragung eines rechtlichen Anspruchs.

4,11 Löschpapier] Fließpapier, Saugpapier. Meist aus Baumwollhadern hergestelltes minderwertiges Papier, das unter anderem als Bedruckstoff diente (z. B. auch für Werke von Goethe und Schiller).

5,4 Rottecks Weltgeschichte] Karl von Rotteck (1775-1840), Historiker, Politiker und Verfasser der "Allgemeinen Geschichte von Anfang der historischen Kenntnis bis auf unsere Zeiten, für denkende Geschichtsfreunde bearbeitet", die in den vierziger Jahren im Braunschweiger Verlag Georg Westermann erschien und zahlreiche Auflagen erlebte. Mit Carl Welcker zusammen Herausgeber des liberalen "Staats-Lexikons" (1835-1843).

5,16-17 Fideikommisses] Fideikommiss: unteilbares und unveräußerliches Vermögen einer Familie.

5,22 Maculatur] Verkauf von Verlagswerken zum Papierwert oder Einstampfen und Verwerten als Altpapier.

5,23 Papilloten] Haarwickel.

5,24 Malice] Arglist.

5,26 Buchhändler] Gutzkow meint Verlagsbuchhändler (=Verleger).

5,27 Meßkatalog] ab 1564 zu den Frankfurter und ab 1594 zu den Leipziger Frühjahrs- und Herbstmessen erscheinende Kataloge. Messkataloge sind die ersten regelmäßig erscheinenden Verzeichnisse von Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt.

5,27-28 mehr Literatur von den Buchhändlern als den Schriftstellern gemacht] Gutzkow spielt hier wohl auf die auffällige Anzahl von Lieferungswerken an, in die einzelne Titel aufgeteilt wurden. Aus diesem Distributionsverfahren resultierte ein höherer Gewinn für den Verleger, da die Summe des Preises für die einzelnen Lieferungen in der Regel höher war als der für einen Gesamtband. In seinem "Telegraph"-Artikel Die Deutschen Uebersetzungsfabriken klagt Gutzkow im Zusammenhang mit Romanübersetzungen ähnlich: Kaum die Hälfte der buchhändlerischen Industrie in Deutschland geht von der Literatur aus (TfD, Nr. 7, 11. Januar 1839, S. 50-52).

5,29 Mandatare] im Auftrag eines anderen Handelnde.

5,34-6,1 steigert der Verlagshandel in Deutschland die Masse der Literatur auf eine schwindelnde Höhe] In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts war eine eklatante Zunahme der Buchproduktion zu beobachten. Der Buchmarkt hatte sich von dem Konjunktureinbruch in Folge der napoleonischen Kriege zusehends erholt, und die jährliche Titelproduktion stieg ab 1821 auf circa 4.500 und sollte 1843 mit circa 14.000 Neuerscheinungen einen weiteren Höhepunkt erleben (vgl. Reinhard Wittmann: Geschichte des deutschen Buchhandels. Ein Überblick. München 1991, S. 201). Die Dynamisierung des Buchmarkts wurde von den Buchhändlern und Schriftstellern gleichermaßen kritisch bewertet. Die Einführung des spekulativen Momentes im Buchhandel führte zu einer massiven Überproduktion, die, stagnierte der Absatz der Auflage, die ‚Preisschleuderei' bedingte.

Gutzkows Werke und Briefe. Kommentierte digitale Gesamtausgabe, herausgegeben vom Editionsprojekt Karl Gutzkow, 1999ff.
© Editionsprojekt Karl Gutzkow, 2001. / Not to be published in any form without the author's prior permission. / Layout Judith Näther & Juliane Schaefer.

Autor der Seite: Ute Schneider / Christine Haug .
Seite angelegt im 2000 .
Fassung:
1.11.
Geschichte der Seitenänderungen: Fassung 1.10. in Mainz für den Eröffnungsband vorbereitet, Juli 2001; Fassung 1.11. Layout angepasst, html eingetragen, GV, August 2001; Fassung 1.11.a Fuss- und Kopfbereich fuer neue Website angepasst, GV, Oktober 2002. Fassung 1.2 Ergaenzung von Erl. 3,7-8 Lords vom Muehlendamm US, Januar 2007; Fassung 1.2a Sigle A gegen E ausgetauscht, GV, August 2007.
Letzte Änderung: 31.08.2007 1:14.

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