Die Zeitgenossen.

(Bearbeiterin: Martina Lauster, Exeter)

1. Textüberlieferung

1.1. Handschriften

1.1.1. Übersicht

Es sind keine handschriftlichen Überlieferungsträger bekannt.

1.2. Drucke

E Die Zeitgenossen. Ihre Schicksale, ihre Tendenzen, ihre großen Charaktere. Aus dem Englischen des E. L. Bulwer. 2 Bde, Stuttgart: Verlag der Classiker, 1837. Das fingierte → Reihentitelblatt weist darauf hin, dass das Werk auch in zwölf Einzellieferungen erschien, einer Zweimonatsschrift vergleichbar (Rasch 2.14). Warum Gutzkow es als angebliche Übersetzung eines Werkes von Edward Lytton Bulwer, dem englischen Erfolgsautor, veröffentlichte (→ Lexikon), wird im Vorwort zur überarbeiteten Fassung von 1846 erklärt (→ Lesarten und Varianten, a).
Ea (Titelauflage) Pforzheim: Finck, 1842. (Rasch 2.14.a)
J (Abdruck von Auszügen aus den Lieferungen von E) Lieferungen 1 und 2: Auszug aus Der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts, Frankfurter Telegraph 36, [24.] März 1837, [S. 1-2] (Rasch 3.37.03.24); Lieferungen 3 und 4: Auszug aus Die neue Welt, Frankfurter Telegraph. Neue Folge 12, [21.] April 1837, S. 93-96 (Rasch 3.37.04.21); Lieferungen 5 und 6: Auszug aus Die Erziehung, Frankfurter Telegraph. Neue Folge 48, [23.] Juni 1827, S. 377-381 (Rasch 3.37.06.23.1); Lieferungen 7 und 8: Auszug aus Sitte und Sitten, Frankfurter Telegraph. Neuste Folge 25, [12.] August 1837, S. 194-196, und Nr. 26, [14.] August 1837, S. 206-207. (Rasch 3.37.08.12).
A (Überarbeitung) Säkularbilder. In: GWI, Bd 9-10, 1846. (Rasch 1.2.9-10)
B (Nochmalige Überarbeitung) Säkularbilder. Anfänge und Ziele des Jahrhunderts. In: GWII, Bd 8, [1875]. (Rasch 1.5.8)
Ba (Titelauflage) in: Gesammelte Werke von Karl Gutzkow. Zweite, wohlfeile Ausgabe. Erste Serie, Bd. 8, Jena: Costenoble, [1879]. (Rasch 1.5.a)

Weitere Auflagen existieren nur in Form einzelner Kapitel und als Auszüge:

Die Mode und das Moderne und Sitte und Sitten (erster Teil) in GE, Bd 11, S. 15-25 und S. 25-52 (Textgrundlage: B); An Sir Ralph und Kunst und Literatur in Auszügen unter den Titeln "Über die politischen Interessen des modernen Schriftstellers" und "Typen des Romans" in DE, S. 246-252 und S. 261-264 (Textgrundlage: A); Die Mode und das Moderne in Auszügen in: Edgar Marsch (Hg.): Über Literaturgeschichtsschreibung. Die historisierende Methode des 19. Jahrhunderts in Programm und Kritik. Darmstadt 1986, S. 231-233 (Textgrundlage: A); Das Jahrhundert, Das Moderne und Sitte und Sitten (zweiter Teil) in HU, Bd 1, S. 69-124, S. 124-143 und S. 144-255 (Textgrundlage: E).

2. Textdarbietung

2.1. Edierter Text

E. Der Text folgt in Orthographie und Interpunktion unverändert dem ersten Buchdruck. Textsperrungen werden übernommen. Silbentrennstriche (=) werden durch - wiedergegeben. Die Seitenzählung wird mit Klammern [ ] an den betreffenden Stellen in den Text eingefügt.

2.2. Lesarten und Varianten

Inhaltliche und stilistische Abweichungen der beiden Auflagen der Säkularbilder von den Zeitgenossen begründet Gutzkow selbst wie folgt:

a) Vorwort, Säkularbilder. In: GWI, Bd 9, 1846, S. VII-VIII. (→ Archiv: Quellenteil)

In der vorliegenden neuen Ausgabe und vollständigen Ueberarbeitung hab' ich das englische Gewand abzustreifen gesucht. Diese Aufgabe war nicht leicht. Ich habe versucht, für die beispielsweisen englischen Charaktere, die ich zur Belebung des Räsonnements erfand, deutsche hinzustellen, habe aber den Vorsprung, den ich für die Charakteristik bei einem so originellen und wunderlichen Volke hatte, wie die Engländer sind, in der Uebertragung auf deutsche Verhältnisse oft schmerzlich vermißt. Auch die bevorzugte Anknüpfung der Erörterungen an England ließ sich nicht ganz unterdrücken; [VIII] wodurch ich mich indessen weniger beunruhigt fühle; denn Englands gesellschaftliche und politische Zustände sind der Art, daß Deutschland immer gut thut, seine eignen Bestrebungen vorzugsweise mit der Form, die Aehnliches in England hat, zu vergleichen.

Natürlich hab' ich auch Sorge getragen, daß alle bedeutenden Erscheinungen, welche seit 1837 zur Charakteristik unseres Jahrhunderts aufgetaucht sind, nachgetragen und zweckmäßig in den Text verwebt wurden. Einiges Unhaltbare und durch die Umstände seither Widerlegte ließ ich fort. Anderes, was sich inzwischen klarer und übersichtlicher gestaltet hat, mußte auch in der Auffassung deutlicher hervortreten.

b) Vorwort, Säkularbilder. Anfänge und Ziele des Jahrhunderts. In: GWII, Bd 8 [1875], S. VIII. (→ Archiv: Quellenteil)

Vom Jahre 1848 an waren die Umgestaltungen der Zeit zu groß, um jeder derselben in diesem letzten Neudruck Rechnung zu tragen. Hier und da weisen Anmerkungen unter dem Text auf die Gegenwart hin. Ich habe das ganze Werk eines Sechsundzwanzigjährigen noch einmal durchgearbeitet [...].

▄Zusammenfassende Beschreibung und exemplarische Nennung der Abweichungen in A und B von E.▀

3. Quellen, Folien, Anspielungshorizonte

3.1. Quellen:

Franz Kottenkamp [→ Lexikon ]: Die Engländer. Mannheim: Heinrich Hoff, 1836.

3.2. Gattungsfolien:

Edward Lytton Bulwer [→ Lexikon]: England and the English. 2 Bde, London: Richard Bentley, 1833.

Die gesammelten Werke Bulwers kamen zugleich in drei deutschen Ausgaben heraus (→ Reihentitelblatt von Die Zeitgenossen; → Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 1): 1. E. L. Bulwer's sämmtliche Werke. Bd 1-50, Aachen, Leipzig: Jacob Anton Mayer, 1833-46; 2. Bulwer: Werke. Aus dem Englischen von Georg Nicolaus Bärmann. Bd 1-98, Zwickau [ab ca. 1841: Leipzig]: Gebrüder Schumann, 1833-53; 3. E. L. Bulwer's Werke. Aus dem Englischen, Bändchen 1-150, Stuttgart: J. B. Metzler'sche Buchhandlung, 1833-53. "England and the English" existiert also in den 1830er Jahren unter dem Titel "England und die Engländer" in drei verschiedenen deutschen Fassungen: 1. in der Übersetzung von Louis Lax, 3 Bde, Aachen, Leipzig: Jacob Anton Mayer / Brüssel: J. A. Mayer und Somerhausen, 1833 (erschienen außerhalb der Werkausgabe); 2. in der Übersetzung ▄von Georg Nicolaus Bärmann▀, 4 Bde, Zwickau: Gebrüder Schumann, 1833▄-34▀ (E. L. Bulwer's Werke, Bd 9-12) und in der Übersetzung von Friedrich Notter, 6 Bändchen, Stuttgart: Metzler, 1836 (E. L. Bulwer's Werke, Bändchen 56-61). "England und die Engländer" war Gutzkow in der frühesten Übersetzung, also in der von Louis Lax, bekannt, wie sein Hinweis auf eine bestimmte Stelle mit Seitenangabe zeigt (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 2). Er wird möglicherweise auch die in Übersetzung erschienenen Auszüge aus "England and the English" zur Kenntnis genommen haben, die 1833 in der Zeitung "Das Ausland" publiziert wurden. Zu den bibliographischen Angaben vgl. Gerhard Lindenstruth: Edward Bulwer Lytton. Eine Bibliographie der Veröffentlichungen im deutschen Sprachraum. Gießen 1994, bes. S. 87. Außer Gutzkows Zeitgenossen weist Lindenstruths Bibliographie keine weitere fingierte deutsche Bulwer-Übersetzung nach.

Paris, ou Le Livre des Cent-et-un (→ Lexikon). 15 Bde, Paris: Ladvocat, 1831-34.

‚Skizzen' und ‚Charakterzeichnungen' als kleine soziologische Studien, die in der zeitgenössischen europäischen Journalliteratur häufig vorkommen und vom jungdeutschen Journalismus, besonders im Umkreis Gutzkows, eifrig geübt werden. (→ Globalkommentar: 6.1.3. Die Skizzenliteratur der 1830er Jahre)

3.3. Anspielungshorizonte:

Die politische Kultur Englands, wie sie sich im Typus des ,öffentlichen Charakters' präsentiert. (→ Globalkommentar: 6.1.2.1. Der ‚öffentliche Charakter') Diesen vertritt z. B. der politisierende Schriftsteller bzw. der schriftstellernde Politiker Bulwer (→ Lexikon), in dessen Figur sich Gutzkow mit Phantasie hineinversetzt, wie auch der imaginäre Staatsmann Sir Ralph, der in der Zueignung angesprochen wird. (→ Zg, Bd 1, S. III-XXIV; ZgWWW, S. 5-15)

Die diesem Typus gemäße Schreibweise, d. h. essayistische, auf Charakterporträts gründende Betrachtungen über Zeit und Leben, die auf die Moralistentradition des 17. und 18. Jahrhunderts zurückreichen, z. B. Quevedo, La Bruyère, Lesage, Steele und Addison. (→ Globalkommentar: 6.1.3.1. Sittengeschichte als moderne Moralistik)

Britischer Materialismus (vor allem politische Ökonomie) als Wissenschaftstradition, die dem soziologischen Interesse der Schrift entgegenkommt: ,das Jahrhundert' wird begriffen als Summe aller Bedürfnisse und Tendenzen, die sich von der gesellschaftlichen Basis der ,Zeitgenossen' aus entwickeln. (→ Globalkommentar: 6.1.2.2. Frühe Soziologie)

Die zoologisch-botanische und physiologische Wissenschaftstradition Frankreichs (Buffon, A.-L. de Jussieu, Cuvier, Cabanis, Bichat), die durch Übertragung ihrer klassifizierenden und medizinisch-analytischen Methode auf das Studium menschlichen Zusammenlebens zum Motor der frühen Soziologie wird (Saint-Simon, Comte und die journalistischen ‚Physiologen' der 1830er und 40er Jahre). (→ Globalkommentar: 6.1.3.2. Naturwissenschaftliche Paradigmen)

‚Sittengeschichte' der Gegenwart im Sinne der ‚Etudes de Mœurs', wie sie Balzac und andere französische Autoren entwickeln, bzw. im Sinne der Betrachtung von ‚Society and Manners', wie sie seit den englischen Mode- und Dandyromanen der Restaurationszeit geschrieben wird und besonders in Werken Bulwers (→ Lexikon) einen Höhepunkt findet. (Globalkommentar: → 6.1.3.3. Frühe Kultursemiotik; → 6.1.3.4. Die Mode)

Porträts der eigenen Nationalkultur aus ausländischer Perspektive, durch die z. B. Bulwer in "England and the English" seine Gesellschaftskritik häufig pointiert. (→ Globalkommentar: 6.1.2.1. Der ‚öffentliche Charakter' )

Die von Westeuropa vorgegebene zeitgemäße Publikationsform des Werkes in Fortsetzungen, einer Zwischenform von Buch und Journal. (→ Drucke, E und J; → Dokumente zur Entstehungsgeschichte, Nr. 2; → Entstehungsgeschichte)

4. Entstehung

4.1. Dokumente zur Entstehungsgeschichte

1. Brief Gutzkows an den Verlagsbuchhändler Samuel Gottlieb Liesching. Poststempel 6. Januar 1835. (Rasch 7.1911.5)

Mein Ihnen gegebnes Versprechen kann ich nicht halten [...]. [...] so gestehe ich Ihnen, verehrtester Herr Liesching, daß der Gedanke, das besprochene Buch wirklich zu schreiben, nur ein augenblicklicher Anflug war, oder dß ich wenigstens jezt schon wieder ganz aus der Illusion desselben heraus bin. Könnt' ich Ihnen ein Bild meines zerrissenen Innern machen! Ich liebe es ungemein, von der Zeit u ihren Strömungen zu sprechen, u doch kommt es mir wieder zuweilen so ungehörig, anmaßlich u frech vor; weil wir ja Kinder dieser Zeit sind u statt über sie zu philosophiren, sie leben sollten.

2. Vorwort, Säkularbilder. In: GWI, Bd 9, 1846, S. VI-VII. (→ Archiv: Quellenteil)

Der Verfasser trug sich mehre Jahre mit der Idee eines Werkes, das den Versuch machen sollte, ein Gesammtbild unseres Jahrhunderts nach seinen vorzüglichsten Lebensäußerungen und Gedankenrichtungen zu geben. [Globalkommentar: → 6.1.1. Die enzyklopädische Darstellungsweise der Zeitgenossen; → 6.1.4. Enzyklopädie und Revue als Ordnungen des Wissens] Anfangs 1837 hielt er sich für befähigt, endlich an diese schwere Aufgabe zu gehen. Mit seinem Namen begleitet würde jedoch eine solche, grade mit der Zeit und ihren Tendenzen sich beschäftigende Schrift, ohnehin bei seiner ihm zur andern Natur gewordenen liberalen Auffassung der Verhältnisse, in ganz Preußen verboten worden sein und diejenigen deutschen Regierungen, welche gewohnt sind, alles Preußische nachzuahmen, würden dies Verbot auch für die Kreise ihrer Botmäßig-[VII]keit ausgedehnt haben. Unter diesen Umständen entschloß sich der Verfasser, dem es um die Grundsätze seines Buches mehr zu thun war, als um seine Person, auf den Titel desselben den Namen Bulwers [→ Lexikon] zu setzen. Es erschien unter der Firma: Bulwers Zeitgenossen. [→ Drucke, E]

Die schützende Devise eines ausländischen Schriftstellers durfte freilich kein bloßes Aushängeschild sein. Die Verfolger würden ein Titelblatt [→ Reihentitelblatt der Zeitgenossen] leicht durchschaut haben. Ich mußte bedacht sein, dem Buche, das in zwölf Heften ausgegeben wurde [→ Drucke, J; → Entstehungsgeschichte], auch wirklich eine englische Färbung zu leihen, wobei ich mir Bulwers "England und die Engländer" zum Muster nahm. [→ Quellen, Folien, Anspielungshorizonte: Gattungsfolien] Von dem Vorwurfe, daß ich das Publikum hätte täuschen wollen, glaub' ich mich durch diese wahrheitsgemäße Erzählung gerechtfertigt zu haben.

3. Rückblicke auf mein Leben. Berlin: Hofmann, 1875.

3.a. Rue, S. 120.

Wie ein junger Name, der [...] auf der Unterlage seiner Studien, seines gewissenhaften Postenstehens im geistigen Feldzuge der Zeit, seinen Weg in der Literatur verfolgt, schon frühe eine Stellung gewinnen kann, zeigte sich bei einem Besuche, den mir eben jener Liesching machte, der sich jetzt plötzlich in schon vorgerückten Jahren als Verlagsbuchhändler bewähren wollte. In runder Summe bot er mir 100 Carolins für ein Gemälde unserer Zeit, etwa Bilder des Jahrhunderts, wie ich diese Idee drei Jahre später als "Säkularbilder" [recte: Die Zeitgenossen] ausgeführt habe.

3.b. Rue, S. 157-158.

Damals hatte es die Lesewelt mit Eduard Lytton Bulwer. [→ Lexikon] Seine Weise war mir nicht sympathisch. Aber die genrebildliche Zeichnung, der Versuch, moderne La Bruyère'sche Charaktere zu zeichnen, gehörte damals beiden Literaturen, der englischen und französischen an. [→ Globalkommentar: 6.1.3.1. Sittengeschichte als moderne Moralistik] Auch in der deutschen versuchte sich manche Feder mit Artikeln im Charakter der Beitäge zum Livre des Cent et un [→ Lexikon], kurzen abgerissenen Skizzen über Dinge und Personen, Berufs-[158]stände, Sitten und Gebräuche. Eine Verbindung solcher Charaktertypen mit dem Vorsatz, die Eigenthümlichkeiten und Richtungen des Jahrhunderts in bestimmte Gruppen zu bringen [Globalkommentar: → 6.1.1. Die enzyklopädische Darstellungsweise der Zeitgenossen; → 6.1.4. Enzyklopädie und Revue als Ordnungen des Wissens], brachten die von mir unter Bulwers Namen (Stuttgart, Verlag der Classiker) herausgegebenen "Zeitgenossen" (jetzt "Säkularbilder" genannt). Die Täuschung war eine unschuldige, da sie sogleich erkannt und ohne Schwindel durchgeführt wurde. Es war dieselbe Arbeit, zu welcher mich schon Liesching, als ich nur 23 Jahre zählte, aufgefordert hatte.

3.c. Rue, S. 5.

Ich erzähle nur zur Probe: "Es war im Jahre 1837 und im wunderschönen Monat Mai. Grade wollte ich meinen Erstgebornen taufen lassen. Doch so hatten damals die vom Bundestage und von Preußen ausgegangenen Verbote meiner Schriften, sowol der erschienenen als der noch erscheinenden, die Verwerthung meiner Feder gehemmt, daß ich im Augenblick - nicht einmal die Mittel besaß, nach dem feierlichen Acte der Haustaufe die Gäste eine Stunde im traulichen Kreise festzuhalten. Der "Glänzendleber" [...] stand 1837 in Frankfurt am Main des Morgens um 5 Uhr auf und dictirte bis 7 Uhr ein Buch, das sich bei so systematischer, vom Bundestagsgesandten Nagler in Frankfurt a. M. (siehe den Briefwechsel desselben mit seinem Secretär Kelchner) geleiteter Verfolgung als Uebersetzung aus dem Englischen des Bulwer ankündigen mußte. (→ auch Rückblicke, Journaldruck in "Die Gegenwart" von 1874: RueVWWW, S. 3,33-4,15)

3.d. Rue, S. 165.

Meine physische Kraft drohte sich zu erschöpfen. Die Voraussetzung, eine Frau mit Vermögen zu heirathen, traf nicht zu. Unablässig mußte ich arbeiten. In jenen Bulwer'schen "Zeitgenossen" [...] hatte ich fast meinen ganzen Vorrath von Anschauungen, besondern Meinungen, Charakterzeichnungen, Studien niedergelegt.

4.2. Entstehungsgeschichte

Die Entstehung der Zeitgenossen ist geprägt von Gutzkows journalistischer Tätigkeit, seiner Geldnot, den Problemen mit der Zensur (→ Dokumente zur Entstehungsgeschichte, Nr. 2; Nr. 3.c.) und der starken Konkurrenz übersetzter englischer und französischer Literatur (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 1).

Als der Verlagsbuchhändler Liesching (→ Dokumente zur Entstehungsgeschichte, Nr. 1) dem jungen Autor 1834 ein beachtliches Honorar für die Lieferung eines umfassenden Porträts der Zeit in Aussicht stellt (→ Dokumente zur Entstehungsgeschichte, Nr. 3.a.), spekuliert Liesching vermutlich auf den Erfolg, den zeitgenössische westeuropäische ‚Sittenbilder' wie z. B. Romane Edward Lytton Bulwers (→ Lexikon) oder dessen Schrift "England und die Engländer" beim deutschen Lesepublikum erleben (→ Quellen, Folien, Anspielungshorizonte: Gattungsfolien; → Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 1) . Erst im Frühjahr 1837 sieht sich Gutzkow jedoch zur Verwirklichung dieses Vorhabens in der Lage oder geradezu gedrängt. Die Einkünfte aus Publikationen, auf die er als Berufsschriftsteller und Familienvater angewiesen ist, fließen seit dem Verbot seiner Schriften in Preußen (→ Daten zu Leben und Werk; → Dokumente zur Entstehungsgeschichte, Nr. 2) und seit dem Bundestagsbeschluss spärlich (→ Lexikon; → Dokumente zur Entstehungsgeschichte, Nr. 3c. ). Der seit dem 1. Januar 1837 offiziell von Eduard Beurmann, in Wirklichkeit von Gutzkow redigierte "Frankfurter Telegraph" liefert weder eine ausreichende Existenzgrundlage, noch kann das Blatt auch nur annähernd für das ehrgeizige, 1835 unterdrückte Projekt einer nationalen ‚Revue' entschädigen (→ Daten zu Leben und Werk). In dieser Situation bietet eine ‚Revue des Jahrhunderts' in Form eines allein geschriebenen Fortsetzungswerkes die Lösung, zumal die zensurbedingte Tarnung unter dem Namen Bulwer (→ Lexikon) auch finanziellen Erfolg verspricht: Nach Gutzkows eigener Schätzung haben die Werke des englischen Autors in Deutschland etwa 12000 Abnehmer (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 1). Zu den Schriftstellern, die vor Gutzkow auf die Attraktivtät eines großen britischen Namens setzten, gehört Willibald Alexis, der seine ersten beiden Romane als Scott-Übersetzungen ausgab (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 3).

Die Zeitgenossen erscheinen in zwölf jeweils paarweise und im Abstand von ca. zwei Monaten publizierten Lieferungen zwischen Frühjahr 1837 und Ende Dezember 1837/Anfang Januar 1838 (vgl. Rasch 2.14). Als Fortsetzungswerk sind sie auch ein ‚work in progress' (→ Drucke, E und J; → Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 2), dessen Rezeption Einfluss auf spätere Lieferungen hat. So kümmert sich Gutzkow, von Rezensenten schon früh enttarnt (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 1; Nr. 2), immer weniger um die Aufrechterhaltung der Bulwer-Mystifikation, ohne diese jedoch im Titel der Zeitgenossen aufzugeben. Dies führt z. B. dazu, dass im Kapitel Kunst und Literatur, ▄vermutlich enthalten in Lieferung 9-10 vom November 1837▀, in der dritten Person über den angeblichen Verfasser geschrieben wird, und zwar als der schon halb wieder vergessene Bulwer (Zg, Bd 2, S. 287). Zunächst jedoch liegt Gutzkow auch aus finanziellen Gründen daran, sein Werk unter dem Erfolgsnamen des englischen Autors zu verkaufen. Im "Frankfurter Telegraph" lässt er als Anreiz ganz besonders pikante oder herausfordernde Auszüge aus soeben erschienenen Lieferungen von Bulwer's Zeitgenossen drucken (→ Drucke: J) . Der erste Abdruck über die ökonomischen Grundlagen der modernen Ehe wird durch eine Erklärung begleitet (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 1), die unter dem Titel E. L. Bulwer's Zeitgenossen. In Deutschland früher als in England erscheinend! offensichtlich den kommerziellen Nutzen der Mystifikation stärken soll. Diese geht so weit, dass ein spezielles Abkommen des Verlegers (Verlag der Classiker) mit Edward Lytton Bulwer vorgetäuscht wird, demzufolge keiner der drei Verlage, bei dem Bulwers Werkausgaben in deutscher Übersetzung erscheinen, Rechte auf Die Zeitgenossen beanspruchen darf (→ Notiz auf der Rückseite des Reihentitelblattes der Zeitgenossen) und jeder Käufer der Bulwerschen Werke diese außer der Reihe erscheinende Schrift zu erwerben genötigt ist, wenn seine Ausgabe nicht unvollständig bleiben soll.

Mit der lukrativen Publikationsweise in Lieferungen, die dem Sittenbild des 19. Jahrhunderts als modernste Art der Vermittlung gedruckten Wissens vollkommen entspricht, schließt sich Gutzkow eng an westeuropäische Entwicklungen an, namentlich - wie er selbst in den Rückblicken angibt (→ Dokumente zur Entstehungsgeschichte, Nr. 3.b.) - an das "Livre des Cent-et-un" (→ Lexikon). Diese Serie von Skizzen des Pariser Lebens, erschienen 1831-34 (auch in deutscher Übersetzung), soll zur Rettung des von finanziellem Ruin bedrohten Verlegers Ladvocat dienen. In England ist es Charles Dickens, der 1836-37 mit der lieferungsweisen Veröffentlichung der "Pickwick Papers" einen unerhörten Erfolg erlebt. Begonnen wurden sie als Serie kommentierter sozialer Skizzen, jedoch sie entwickeln sich bald zum eigenständigen illustrierten Fortsetzungsoman. Der erste Band der Zeitgenossen, der die Lieferungen 1-6 (Der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts bis zur ersten Hälfte von Sitte und Sitten sowie die einleitende Zueignung An Sir Ralph) umfasst, ist im Juni 1837 komplett (vgl. z. B. den Hinweis auf den geplanten bzw. erfolgten Abschluss des Bandes in den Dokumenten zur Rezeptionsgeschichte, → Erklärungen Gutzkows, Nr. 1 und → Rezensionen, Nr. 4). Für Raschs Angabe, der erste Band sei schon im März publiziert worden (Rasch 2.14), finden sich in den zeitgenössischen Rezensionen keine Hinweise. Anzunehmen ist, dass nicht der erste Band, sondern die erste Lieferung der Zeitgenossen im März erschien. Es entspricht Gutzkows erklärtem Wunsch, die Buchform für ein Projekt dieser Art letztlich aufzugeben und es stattdessen als Monatsschrift, also als Periodikum vom Typ der ‚Revue', fortzuführen: Möglich, daß meine Zeitgenossen, nachdem sie ein Buch gewesen sind, sich zuletzt in eine Monatsschrift verwandeln (Zg, Bd 1, S. XXIII; ZgWWW, S. 15). Weitere Ausführungen zur Revue bzw. Enzyklopädie als Wissensordnungen im → Globalkommentar: 6.1.4.

5. Rezeption

5.1. Dokumente zur Rezeptionsgeschichte

5.1.1. Erklärungen Gutzkows

Vgl. Rasch 3.37.03.24, 3.37.08.12, 3.37.09.15

1. [Karl Gutzkow:] E. L. Bulwer's Zeitgenossen. In Deutschland früher als in England erscheinend! In: Frankfurter Telegraph. Blätter für Leben, Kunst und Wissenschaft 36, [24.] März 1837, [S. 1-2]. (Rasch 3.37.03.24)

[1] Von Bulwers Werken existiren drei Ausgaben in deutscher Sprache, die Aachner, die Stuttgarter, die Zwickauer [→ Reihentitelblatt der Zeitgenossen; → Quellen, Folien, Anspielungshorizonte: Gattungsfolien]. Man kann wohl für gewiß annehmen, daß die Zahl der Interessenten an diesen Ausgaben sich auf 12000 beläuft. Man denke sich ein neu erscheinendes Buch des beliebten Englischen Novellisten. Im Nu sind eine Menge Federn in Bewegung, um es zu übersetzen. Der Eine will früher auf dem Markte sein als der Andere. Der, welcher am schnellsten einzutreffen hofft, kommt nicht selten am verspätetsten. Unter diesen Umständen war es von einem süddeutschen Buchhändler in der That ein glücklicher Gedanke, sich an Bulwer selbst wegen eines neuen Werkes aus seiner Feder zu wenden [→ Notiz auf der Rückseite des Reihentitelblattes; → Entstehungsgeschichte]. Bulwer sagt zu, die gewiß außerordentlichen Bedingungen werden abgeschlossen und nun erscheinen Bulwer's Zeitgenossen nur bei einem rechtmäßigen Verleger in Deutschland. Alle übrigen Taschenausgaben der Bulwer'schen Werke dürfen dies neue nicht aufnehmen. Wer seine Sammlung nicht incomplett haben will, muß sich das neue Werk von jener Buchhandlung nehmen, die allein im Stande ist, über das englische Manuscript des Werkes fünf Jahre lang zu gebieten.

Wir wollen ein Urtheil über die neue Schrift Sir Eduards solange zurückhalten, bis wenigstens der erste Band derselben vollständig erschienen. Aus den soeben uns zugekommenen beiden ersten Lieferungen entnehmen wir folgende Probe:

[Es folgt unter der Überschrift Das moderne Hagestolziat und Lord Bubbleton ein Abdruck aus dem Kapitel Der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts von Die heutige Existenz ist eine schwere Aufgabe (Zg, Bd 1, S. 35) bis Er wird so lange wählen, bis sich ihm keine Auswahl mehr darbieten wird (Zg, Bd 1, S. 41)]

2. [Karl Gutzkow:] Anti-Doktrinäres. In: Beurmann's Telegraph. Neuste Folge 25, [12.] August 1837, S. 193-196. (Rasch 3.37.08.12)

So eben ist die 7. und 8. Lieferung der Bulwer'schen Zeitgenossen ausgegeben worden. Es gibt Leute, die sich bei jedem neuen Hefte dieses Buches über seinen vermeintlichen Verfasser ärgern, und über das Titelblatt [? Reihentitelblatt] und den Umschlag gar nicht hinaus kommen können. [...] Das Buch mag geschrieben haben wer es will; der Mann muß seine Gründe dafür gehabt haben. [Dazu, dass Gutzkow seine Autorschaft nicht ausdrücklich dementiert, siehe auch → Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 3]

Die 7. und 8. Lieferung setzt das Capitel über die Sitten der Zeitgenossen fort, spricht über die Sitten der Alten, um die der Neuen desto lebhafter contrastiren zu machen, sucht ein höchstes modernes Sittengesetz auf, vergleicht die Sitten im Gegensatz zu den Gesetzen und schildert in kurzen Zügen unsre gesellschaftlichen Gewohnheiten. Ueber die Ehe werden viele Feinde des Verfassers Bemerkungen finden, die ihnen unwillkommen, weil vernünftig, sind [...]. Ueber Sitten sprechend, durfte der Verfasser auch die Sittenlosigkeit und die Verbrechen der Zeit nicht vergessen. [...] eine Uebergehung dieser Partie [würde] sein Buch [...] unvollständig gemacht haben. Man hat dem Verfasser den boshaften Vorwurf gemacht, als gefiel' er sich in Discussionen dieser Art! Bettinadruckser und Anempfindler kommen nicht in die Lage, über Fragen dieser Art, heilige und ernste Fragen, verhandeln zu müssen. Perfid war auch die Entgegnung, als [194] würde "der zarte, feine Bulwer!" niemals solche verfängliche Objekte besprochen haben [→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 1], wie öfters sein Doppelgänger. Man lese England und die Engländer Bd. II. S. 156 [d. i. die Aachener Ausgabe von "England and the English" in der Übersetzung von Louis Lax: → Quellen, Folien, Anspielungshorizonte: Gattungsfolien] und folg. und sei gerecht, um einzugestehen, ob man in einem Capitel über die Sitten die Prostitution umgehen könne. Bulwer am angeführten Orte hat es nicht gekonnt. [Diese Stelle und ihr Kontext, in der Übersetzung von Lax: ? Archiv: Quellenteil; auch → Globalkommentar: 6.1.2.2. Frühe Soziologie.]

Die vorliegenden Lieferungen der Zeitgenossen geben ferner Untersuchungen über die Verbesserung der Verbrecher und die Abschaffung der Todesstrafe. Mit criminalstatistischen Bemerkungen schließt das wichtige Capitel. Ueber den neuen Abschnitt: Religion und Christenthum erst dann, wenn die Fortsetzung desselben erschienen sein wird!

Um unsern Auszug verständlich zu machen, so bemerken wir dies: Der Verfasser polemisirt gegen einen Doktrinär, der die Verbesserung der Gefängnisse eine lächerliche Grille der Philanthropie nennt und fährt dann mit einer Invektive gegen den Geist einer Schule, zu der in Deutschland Steffens und Aehnliche gehören und die er die eigentlich frivole nennt, fort:

[Es folgt, fortgesetzt in Nr. 26 vom 26. August, S. 206-207, ein Auszug aus dem Kapitel Sitte und Sitten, von Bis hieher der Sophist (Zg, Bd 2, S. 76) bis Traurig genug, daß die Gesellschaft erst dann den Reformen zugänglich ist, wenn ihre Mitglieder bereits den Gesetzen verfallen sind (Zg, Bd 2, S. 81)].

3. Rasch 3.37.09.15: Zeitgenossen nicht gegen Berlin gerichtet

4. Karl Gutzkow: Vorwort, Säkularbilder. Anfänge und Ziele des Jahrhunderts. In: GWII, Bd 8 [1875], S. VIII. (Rasch 1.5.8.1; → Archiv: Quellenteil)

Ich habe das ganze Werk eines Sechsundzwanzigjährigen noch einmal durchgearbeitet und muß [...] gestehen, daß nur die politischen Verfolgungen und - die gleichzeitigen überwiegend abgeschmackten lyrischen Tendenzen unserer damaligen Literatur Schuld daran waren, daß ein so vielseitiges, theils in heitrer Laune, theils, wo die Sache es mit sich brachte, mit schwungvollem Ernst geschriebenes Buch nicht mehr beachtet wurde. Als sich späterhin der Sinn für philosophische und weniger flüchtige Literatur wieder einfand, mußte man leider, um gefördert zu werden, wieder der philosophischen Schule des Tages huldigen. Ich arbeitete mich aber gerade aus Hegel heraus, als man uns die Zumuthung machte, uns erst recht wieder in ihn hineinzuarbeiten. (→ Globalkommentar: 6.1.2. Das Vorbild England)

5. Karl Gutzkow: Rückblicke auf mein Leben. Berlin: Hofmann, 1875, S. 165-166. (Rasch 2.46)

Noch jetzt, ich bekenne es offen, lese ich diese Schrift in den meisten Parthieen mit Befriedigung. Wäre sie in [166] englischer Sprache erschienen und wirklich eine Uebersetzung gewesen, man hätte ihr eine Stellung gegeben.

5.1.2. Rezensionen

Vgl. Rasch 14/14.37.03.29 bis 14/14.39.1 sowie für die beiden Auflagen der Säkularbilder: 13/2.46.05.05, 13/2.46.05.14, 13/5.75.07.31, 13/5/75.08.07.

1. [Gustav Pfizer:] Die Zeitgenossen. Ihre Schicksale, ihre Tendenzen, ihre großen Charaktere. Aus dem Englischen des E. L. Bulwer. Erste und zweite Lieferung. Stuttgart, Verlag der Classiker. 1837. 16. 8 Gr., in: Blätter für literarische Unterhaltung 120, 30. April 1837, S. 485-486. (Rasch 14/14.37.04.30)

[485] "Wer zuversichtlich in einen schönaussehenden Apfel beißt und ihn bitter und wurmstichig findet, kann nicht häßlicher getäuscht sein, als wer mit der Hoffnung eines schönen Genusses und mannichfacher Anregung und Belehrung an die Lecture der obgenannten Schrift geht, die er bald mit Ekel und Verdruß wegwerfen wird. [...]

Die Capitel des ersten Heftchens sind: ‚Der Mensch des 19. Jahrhunderts'; ‚Das Jahrhundert'; ‚Die neue Welt'. Was läßt sich nicht unter diese Rubriken hineinschieben! In der That ist auch Alles durcheinander wie Kraut und Rüben; politisch- philosophisch- ästhetisch- nationalökonomisch-philanthropisch seinsollende Sätze wimmeln wie ein Ameisenhaufen durcheinander, und wir möchten uns nicht die Mühe nehmen, dem sich vielleicht hindurchziehenden Faden nachzuspüren. Wir geben lieber ein paar Pröbchen:

‚Die Moral der modernen Zeit, die sich von der Religion getrennt hat, wird mehr oder weniger immer von egoistischen Principien ausgehen, weil die Selbstbestimmung die nächste Folge der Bildung war, die die Menschen unserer Zeit über ihre angeborenen Existenzen emporhebt, zugleich aber auch das Heft ihrer Zukunft für immer ihnen in die Hand gibt. Das Mittelalter hatte eine Durchschnittsmoral, die mehr in leidendem Gehorsam als activer Freiheit bestand. '

Eine Prämie dürfte man Dem aussetzen, der hierin Sinn und Zusammenhang entdeckt!

‚Welches Europa triumphirte bei Leipzig, bei Waterloo? Das Europa vor oder nach der französischen Revolution? War Napoleon nur eine Person, d. h. der Ehrgeiz? War er eine Nation, d. h. der Übermuth? War er ein Begriff, d. h. war er die Revolution?'

Also Person = Ehrgeiz; Nation = Übermuth; Begriff = Revolution! eine tiefsinnige Logik. Weiter:

‚Eine vage Tradition über Liebe liegt natürlich den Empfindungen des Mädchens unter, allein sie verwandelt sich nicht in ein Urtheil, in eine Vergleichung, sondern nur in das Gefühl, dereinst eine Verpflichtung haben zu müssen. Die Tradition der amoureusen Liebe spricht sich hier nur in dem Bewußtsein aus, daß man Diesen oder Jenen gern hat ...

Die Ehen unsers Jahrhunderts sind weit mehr compromittirt als die der vergangenen.

Die Leichtigkeit, mit welcher der Amerikaner die subtilsten Begriffe auf (?) Geld anschlagen kann, ist unglaublich. Selbst die Imponderabilien, als da sind: Gott, Freiheit, Unsterblichkeit, selbst die Metaphysik hat für ihn ein Gewicht.

Der Idealismus der Börse beruht auf andern Grundlagen als der des Handels u. s. w.

Die Kartoffel hat sich zu diesem Verderben (in den Fabrikstädten) hinzugesellt. Denn indem sie das Einzige ist, was diese Menschen erhält, ist sie auch Dasjenige, was sie tödtet. Man weiß, wie viel Blausäure verhältnißmäßig die Kartoffel enthält, man weiß, daß sie stimulirende Kräfte hat, welche auf das Malthus'sche Schreckbild vermehrend einwirken (!!). Mit der steigenden Zahl der Kinder vermindert sich die Pflege derselben. Durch die Kartoffel werden sie geboren, durch die Kartoffel werden sie sterben. Aus den Skropheln winseln sie sich heraus, in hundert Übel, die die Folge derselben sind, hinein.'

Sed ohe -

Wie? E. L. Bulwer, der geschmackvolle, feingebildete, klare Bulwer, bei dem man gewohnt ist, einen Schatz von Belehrungen und anregenden Ansichten zu finden, wäre plötzlich so heruntergekommen, daß er mit Wohlbehagen in Ekelhaftigkeiten herumwühlte? [→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 2] Er hätte seinen schönen und geglätteten Styl mit einem solchen Unstyl, einem solchen zwischen Trivialität und Abstraction auf- und abtaumelnden Jargon vertauscht? Er wäre einer so herzlosen Witzelei, als sie in dieser Scharteke uns anwidert, an-[486]heimgefallen? [...] Was ist an der ganzen Scharteke Englisches als der Name ‚Lord Bubbleton', ein paar eingestreute Sir und einige aus den Zeitungen zur Noth zu erhaschende Notizen und Anspielungen? E. L. Bulwer ist nicht der Verfasser der ‚Zeitgenossen', und der ‚Verlag der Classiker' ist in seinem Rechte, wenn er das ausschließliche Verlagsrecht auf dieses Opus anspricht [→ Notiz auf der Rückseite des Reihentitelblattes; → Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 1; → Entstehungsgeschichte]. Wenn wir aber behaupten, die Schrift sei nicht englisch, so wollen wir ebenso wenig sagen: sie sei deutsch. Das sei ferne!

Wir sind begierig, wie viele dupes die Scharteke machen wird. [...] Wenn wir uns nicht sehr irren, so erkennen wir in der Manier des Buchs die Art eines Autors, dessen Namen wenig Credit mehr hat [→ Entstehungsgeschichte], und der, wenn unsere Muthmaßung Grund hat, einen neuen Beweis seiner Delicatesse und Gewissenhaftigkeit gibt, indem er den Namen eines ehrenhaften Schriftstellers misbraucht, zugleich aber auch seinen Muth bewährt, indem er sich dem Risico einer wahrscheinlich nicht sehr schmeichelhaften Desavouirung aussetzt."

2. [Anon.:] Kleine Chronik, in: Frankfurter Telegraph 30, [22.] Mai 1837, S. 239. (Rasch 14/14.37.05.22 [dort fälschlich "Telegraph für Deutschland. Hamburg"])

"Aus Berlin schreibt man uns: Die Angelegenheit wegen Bulwers Zeitgenossen ist mit Ausnahme des hiesigen unpartheiischen und gerechten Magazins für die Literatur des Auslandes gehässig behandelt worden. Alle ...... alten Gegner haben jetzt wieder ein freies Feld für ihre ohnmächtigen Redensarten. Billigdenkende werden sich die wahren Ursachen ........... bald ohne weitere Citate erklären können und nur nach dem objektiven Werthe des Buches fragen. Hîc Rhodus, hîc salta!"

3. L[ouis] L[ax] (→ Quellen, Folien, Anspielungshorizonte: Gattungsfolien): Deutsche Literatur. In: Westliche Blätter für Unterhaltung, Kunst, Literatur und Leben 2, 3. Juli 1837, S. 6-7. (Rasch 14/14.37.07.03)

"Gutzkow theilt in seinem Telegraphen Gedichte mit, Gedankenspiele, die sich um Pointen drehen und eben darum die Poesie bei Seite lassen. Wir haben es hier aber mit einem andern Werke Gutzkow's zu thun, nämlich den

1. Zeitgenossen von Bulwer.

(Stuttgart, im Verlag der Klassiker.)

wovon uns bereits zwei Hefte vorliegen. Wenn wir sagen, von Gutzkow, so sprechen wir allerdings nur unsere Ueberzeugung aus, denn materielle Beweise dafür haben wir nicht, außer etwa denn, daß Gutzkow nicht für gut befunden hat, ähnliche von andern Seiten deshalb gegen ihn erhobene Vermuthungen Lügen zu strafen [→ Entstehungsgeschichte]. Daß das Buch vor Allem nicht von Bulwer, nicht aus dem Englischen, sondern Original-Deutsch ist, liegt am Tage. Die ganze Persönlichkeit Bulwer's [→ Lexikon] ist verfehlt, die äußere wie die innere. Bulwer wohnt seit Jahr und Tag nicht in Hertfordstreet [→ Einzelstellenerläuterungen: Erläuterung zu 15,28; → Globalkommentar: 6.1.2.2. Frühe Soziologie]. Bulwer schreibt die Englischen Worte nicht so falsch, als sie hier gedruckt sind, und Bulwer kann kein Wort Deutsch [→ Lexikon: Bulwer], kümmert sich auch weniger um unser Vaterland, als wir uns um seines. Die Fabel, wie er hinter das Deutsche Wesen gekommen, indem ihm ein, ich weiß nicht mehr vom Rhein oder von der Elbe zurückgekehrter Freund Aufschlüsse über unser ganzes Treiben, selbst bis in Einzelheiten, die jedem Fremden entschlüpfen, gegeben habe, ist zu grob. Aber auch Styl und Denkweise entsprechen nicht der Bulwer'schen und der Erstere gewinnt nur dabei. In den Zeitgenossen ist er fließend und doch prägnant, kurz abgeschlossen und doch klar, lauter Vorzüge, von denen sich das Gegentheil in Bulwer nachweisen läßt, dem selbst in England Gespreitztheit, schwülstige Konstruktion und gesuchte Wortbildung vorgeworfen wird. Trotzdem aber hätte er auf Englisch keine Wortspiele machen können, die so eigenthümlich sind, wie ‚Steinreich' und ‚Steinalt'. Der Styl ist eben ganz Gutzkow. Was die Ideen betrifft, so weichen sie, obwohl sich der Verfasser, wenn er sich besann, geschickt in Englands Denkweise hineinzuarbeiten weiß, doch an vielen Stellen wieder zu sehr davon ab. Wenn er von Napoleon spricht, von der Theilnahme, die er im Anfange seiner Laufbahn und am Schlusse derselben nach seinem Falle erregte, so kann hier nur Deutschland gemeint seyn, da John Bull erst nach 1830 in etwas angefangen hat, den Kaiser mit Schmähungen und gemeinen Reden zu verschonen. Das Kapitel von der Ehe würde Bulwer nicht geschrieben haben, selbst wenn er die darin enthaltenen Ansichten theilte, nicht seinet-, sondern seines Volkes wegen. [...] Wenn aber die Einzelnheiten durchaus den Deutschen Schriftsteller verrathen, so ähnelt doch die Hauptform, in welche das Ganze gegossen ist, allerdings der, die Bulwer benutzt haben würde. [→ Globalkommentar: 6.1.2.2. Frühe Soziologie; → 6.1.3. Die Skizzenliteratur der 1830er Jahre]. Man findet in dem Buche dieselbe Geistesschärfe, dieselbe Abstraktion und dieselbe Lebendigkeit der Schilderung. Daß Bulwer als Dichter in der neuesten Zeit so hoch gestellt werden konnte, beweist nicht für ihn, sondern für die Armuth seiner Umgebung. Er leidet an demselben Fehler, der die jüngere Schule der Deutschen verfolgt, aber er weiß den Mangel an Poesie besser zu verdecken, weil ihm das Leben seines Volkes, die Oeffentlichkeit seiner Charaktere und ihres Treibens den Ueberwurf dazu leiht. [...] Die Engländer brauchen nur aus der Stube zu treten, so erleben sie etwas und brauchen nur die Hand auszustrecken, um Figuren mit warmem Athem und frischem Geiste zu erfassen [→ Globalkommentar: 6.1.2. Das Vorbild England]. Wie wenig aber Bulwer trotzdem zu fesseln weiß, wenn er nicht seine Gestalten mit den glänzenden und feinen Fäden seiner Reflexion künstlich zu umspinnen vermag, beweisen seine kürzeren Erzählungen, seine Gedichte, seine Dramen. [...] Das Buch [Gutzkows] ist mit großer Sachkenntnis und mit einem Aufwand von Geist geschrieben. Wenn daher ein Rezensent des literarischen Blattes das Buch gleich bei seinem Erscheinen mit der gehäßigsten Wegwerfung behandelte [→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 1], so spricht daraus nur der Widerwillen gegen den vermuthlichen Verfasser. Personalbeziehungen sollten aber doch endlich einmal aufhören den Maßstab für die Würdigung eines Werks abzugeben. Den Vorwurf, den man dem Verfasser macht, daß er das Publikum durch Unterschiebung einer fremden Autorschaft habe hintergehen wollen, ist man Wilibald Alexis und Andern, die sich Aehnliches erlaubt, schuldig geblieben [→ Entstehungsgeschichte]. Wenn der Arme sich in eine Löwenhaut verkriecht, desto schlimmer für ihn, er wird dem Hohne und der Verachtung nicht entgehen, daß er, um etwas Löwenfutter zu erhalten, sich selbst annulliren mußte. Wenn aber jemand, dessen eigener Namen Kredit genug bei allen Firmen verschafft, dergleichen thut, so ist das freilich eine Mystifikation, die aber nur Lachen erregt und höchstens den ärgert, der erst von Andern über die Täuschung belehrt wird. Die Täuschung konnte für niemand seyn, als den Allerweltsleser. Jeder andere wußte, daß kein Deutscher Buch-[7]händler im Stande sey, Bulwer'sches Honorar für ein Bulwer'sches Werk zu zahlen; dem gewöhnlichen Bücherverschlinger, der nur bei dem schwört, was das Ausland bringt, konnte es eine Lehre seyn, daß die fremden Halbgötter eben auch mit Deutschem Thone nachzubilden seyen. [...] Die Zeitgenossen, so weit sie bis jetzt erschienen sind, enthalten die Bücher: der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts; das Jahrhundert; die neue Welt; das Moderne; die Existenz; der Stein des [sic] Weisen; das Leben im Staate. Die Abtheilungen haben keineswegs alle gleichen Werth [...], aber es sollte hier nur von dem Totaleindrucke die Rede seyn, davon, das Ganze gegen eine vornehme und erkünstelte Geringschätzung in Schutz zu nehmen. [...] das Ganze gibt reichen Stoff zum Nachdenken und verdient schon, daß man darüber denke, wenn man auch die Meinungen des Verfassers nicht theilen mag, der, er sey nun Gutzkow oder ein Anderer, bei Erscheinung der letzten Bändchen, die wir noch zu gute haben, dreist sein Incognito ablegen sollte, da er sich des Gesichtes unter der Maske [...] nicht zu schämen braucht."

4. [Anon.:] Die Zeitgenossen. Aus dem Englischen des E. L. Bulwer. Stuttgart, Verlag der Klassiker. 5. u. 6. Lieferung. 1837. In: Mitternachtzeitung für gebildete Stände 137, 28. August 1837, S. 674-675. (Rasch 14/14.37.08.28)

"Mit dieser Doppellieferung ist der erste Band eines Werkes geschlossen, das sein Dasein einer buchhändlerischen Spekulation verdankt. Gutzkow's ausgebreitetes Wissen, sein scharfer kritischer Geist und seine, überall durch-[675]klingende Ahnung jener Metamorphosen, denen unsere gesammten sociellen Verhältnisse sich doch mit immer größern Zugeständnissen fügen werden - machen die ‚Zeitgenossen' zu einer so beachtenswerthen Erscheinung, daß Niemand, dem an der Kunde des Geistes unserer Tage liegt, sie übergehen darf. - Der Artikel über die Erziehung macht den Schluß dieses Bandes."

5. [Heinrich] Albert Oppermann: Ueber die sogenannten Bulwer'schen Zeitgenossen. In: Jahrbuch der Literatur 1, 1839 [erschienen bereits im November 1838]. Hamburg: Hoffmann & Campe, 1839, Reprint Frankfurt/M. 1971, S. 259-310. (Rasch 14/14.38.11.1; ? Rezeptionsgeschichte)

"Ist denn in Wahrheit die deutsche Kritik so gesunken, daß allein die Brockhausischen Blätter [?→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 1], von einem Werke, worin der Verfasser [...] sein bestes Wissen und Können, sein schönstes Hoffen und Wünschen niederlegte, an dessen Verbreitung er, von den schwierigsten Umständen gedrängt, den zweideutigen Versuch der Täuschung wagte, die Erscheinung berührten, um nur einige Stellen aus dem Zusammenhang zu reißen und den Verfasser zu verunglimpfen?

Es nimmt mich kein Wunder, daß das Publikum, welches in der Lectüre nur Erholung und Unterhaltung sucht, das sich höchstens zu ‚Reisenovellen' versteigt, sich zu diesen Zeitgenossen nicht drängte. Wenn aber das Publikum, das den Faust in der Tasche trägt und noch mehr aus ihm heraus oder vielmehr hineinlieset als die Commentatoren desselben, das [260] Publikum, das vor zehn Jahren die Seherin von Prevorst verschlang, das die Rahel lobt und Strauß Leben Jesu bewundert, lau ist gegen eine Erscheinung wie diese, so muß es wohl sein, weil es die Kritik noch nicht gezwungen hat, dem Kaiser zu geben was des Kaisers ist.

[...] ihr möget in den kurzen sinnigen Sprüchen Göthe's und den langen philosophischen Deductionen der Commentare das Räthsel gelöset glauben, das euch und das Leben eurer Mitwelt umdunkelt; leset die Zeitgenossen! Auch sie sind ein Commentar des Faust. Aber des Faust, der das 19te Jahrhundert ist und von dem ihr selbst ein Theil seid. [→ Globalkommentar: 6.1.1. Die enzyklopädische Darstellungsweise der Zeitgenossen]

Ihr seid ja sonst so eitel auf eure Klugheit und eure Tugenden, auf eure Wissenschaft und eure Kunst, auf eure Industrie und euren Handel, eitel selbst auf eure [261] Laster. Geht, spiegelt euch! Aber erschreckt nicht, es ist ein Hohlspiegel, in dem ihr euch erblickt, mit vieler Kunst und mühsamer Arbeit in Metall geschliffen. Ihr seht nicht nur den glatten äußern Schein, ihr seht die kleinste Narbe, die verborgenste Runzel und viel getrockneten Schweißes. Erschreckt nicht, wenn ihr seht, daß die Larve von eurem Treiben gerissen ist, daß die Illusionen zerstört sind, die tausend Kerzen des Ballsaals, die bunten Gruppen, die schönen Decorationen vor dem Glanze des Tagslichts erbleichen und zerstäuben. Denkt, daß das Fastnachtsspiel nicht ewig währen kann, daß der Tag kommen muß, wo jede Täuschung aufhört und daß dies ein Tag des Schreckens und der Verwirrung sein wird, wenn Niemand erkennt und begreift, was an der Zeit ist und worum es sich handelt! Strengt die Nerven eurer Augen an, damit ihr den Nebel durchseht, der den Hintergrund birgt. Hört ihr nicht das ferne Geräusch des Kampfes, den Donnerruf der Niedergedrückten? Hört ihr nicht den Ruf der Unwissenden, die dieselbe Wahrheit, denselben Glauben haben wollen, auf die ihr so stolz seid; hört ihr nicht das Jubelgeschrei der Proletäre, die kommen mit euch zu theilen und ihr seid noch immer bekleidet mit dem Maskenanzuge, mit Flittergold und [262] Tand? Doch nein! Ihr seid bei Zeiten erschreckt durch euer eigenes Bild, noch ehe der Morgen hereinbricht, habt ihr die bunten Fetzen von euch geworfen und euch die Hände gereicht zur gemeinsamen Arbeit an dem großen Werke der Menschwerdung des Menschen. Seht, der Nebel ringt sich in schweren Kämpfen langsam empor, das Getös des Kampfes verwandelt sich in Lobgesänge des Unendlichen, die wild durcheinander wogenden Massen haben sich schön gruppirt, jeder trägt das Seine und trägt es mit Lust.

Ja es ist ein mächtiges Buch, von dem ich rede. Mit feiner ärztlicher Hand fühlt Gutzkow (denn er ist doch der Verfasser des Buches?) nach dem Pulsschlag der Zeitgenossen, er preis't die Hitze und Kälte ihrer Emfindungen, er sucht nach ihren Thorheiten und Lastern, aber auch nach ihren Vorzügen und Tugenden und verkennt diese nicht um jener willen. [→ Globalkommentar: 6.1.3.3. Frühe Kultursemiotik: ‚Anatomie' und ‚Autopsie'] Das Buch ist so gedankenreich, daß eine neuere deutsche Vierteljahrschrift auf 10 Jahre an dem Stoff genug hätte, der hier aufgespeichert liegt. [→ Globalkommentar: 6.1.4. Enzyklopädie und Revue als Ordnungen des Wissens] Ja es ist selbst mehr Zeitschrift als Buch d. h. als architektonisches Ganzes oder organisches Kunstwerk. So bunt als das Leben selbst, so bunt ist die Gedankenwelt, die hier vor uns ausgebreitet wird. Ein Gedanke spinnt sich [263] aus dem andern und an den andern. Aber es sind unendlich viele Anknüpfungspunkte und man suchte oft vergebens nach dem eigentlichen logischen Faden, an den sich alle diese Reflexionsnetze, springenden Bemerkungen, Blitzlichter und Arabesken zeitgemäßer Beziehungen aufziehen. Ich weiß aber nicht, ob man Recht hat, nach künstlerischer Einheit zu suchen. Denn der Verfasser will uns offenbar kein Kunstwerk, keinen Roman, kein nothwendiges Ganze geben. [→ Globalkommentar: 6.1.1. Die enzyklopädische Darstellungsweise der Zeitgenossen]. [...]

[264] Armer Autor, du hast deine besten Gedanken vergebens vergeudet. Mit diesen Gedanken, sauber vertheilt und weiter ausgesponnen, hättest du für dein ganzes Leben als Journalist ausreichen können! [...] Du hast Alles auf einmal gegeben, wo sparsame Arzenei nöthig war. Unser Publikum liebt in der Literatur die Homöopathie. Es ist zufrieden, unter tausend Wassertheilchen einen Gedanken zu finden, wenn nur das Wasser hübsch mit Zucker und Frivolität versüßt ist. Du giebst Gedanken auf Gedanken. Und was wird dein Lohn sein? Die, welche dich am meisten schmähen, werden dich am meisten ausbeuten.

Ich muß auch auf die Mängel der Zeitgenossen kommen. Gutzkow hat den kleinen Heften zu viel anvertraut. Seine Hoffnung, bei dem deutschen Publikum durch den Inhalt derselben solche Theilnahme zu finden, daß die Zeitgenossen zu einem Journal würden, die er zu Anfang und Ende seiner Vorrede [→ Zg, Bd 1, S. III u. XXII-XXIII; ZgWWW, S. 5 u. 14-15] deutlich ausspricht, beruht auf einer so großen [265] Mißkennung des Publikums, wie ich sie Gutzkow am wenigsten zugetraut hätte. [...] Gutzkow sagt zwar selbst, daß er nicht auf die Leute wirken könne, die er liebe, auf das Volk, er hoffe aber auf die zu wirken, die mit dem Volke umgehen. [→ Zg, Bd 1, S. XXI; ZgWWW, S. 14] Daß dies geschehe, ist mein größter Wunsch. Möge kein Staatsmann, kein vornehm und zufrieden auf seine Hochwissenschaft herabblickender Gelehrter sich zu gut dünken, aus diesen Zeitgenossen zu lernen; möge keiner, der über sociale Fragen zu reden wagt, die Zeitgenossen nicht studirt haben!

Ich will nicht behaupten, daß alle jene Lebensfragen, welche die Neuzeit durchkreuzen, hier richtig gelöset sind, daß der Verfasser das Gesetz, wonach die Echtheit des Wirklichen beurtheilt werden soll, immer in Herz und Auge gehabt hat, daß in dem Buche der Stein der Weisen gefunden sei, welchen die Menschheit sucht. Ich hätte vielmehr an hundert Stellen Einwürfe zu machen, könnte hier eine halbe Wahrheit, dort eine Täuschung nachweisen, manche Behauptungen einander gegenüber stellen, die sich zu widersprechen oder gar aufzuheben scheinen. Man sieht, das Buch ist nicht in einem Gusse geschrieben und der [266] Verfasser hat während des Schreibens oft erst seine Meinung gebildet [→ Entstehungsgeschichte]. Aber selbst wenn das Buch mehr Irrthümer enthielte als Wahrheiten, was gewiß nicht der Fall ist, es würde ein unendlicher Schatz sein, weil es zum Nach- und Selbstdenken nöthiget und die Wege zur Wahrheit ebnet.

Das erste Capitel dieses merkwürdigen Buches ist überschrieben: Der Mensch des 19ten Jahrhunderts. Gleich jenen künstlichen Karten, die uns die Schweiz mit ihren Bergen und Thälern, Städten und Sennhütten, Flüssen und Seen gleichsam aus der Vogelperspective zeigen, wird hier das Leben unseres Jahrhunderts vor uns ausgebreitet. [→ Globalkommentar: 6.1.4. Enzyklopädie und Revue als Ordnungen des Wissens] Wir sehen nicht nur die Haupthöhenzüge, wir erblicken zugleich die verborgensten Beziehungen und Triebfedern. Mit anatomischer Feinheit sind die Muskeln von dem Zeitgetriebe abgelöset und unverwirrt, unzerrissen liegen die feinsten Nervenfädchen und die blutdurchströmten Arterien vor uns. [→ Globalkommentar: 6.1.3.3. Frühe Kultursemiotik: ‚Anatomie' und ‚Autopsie'] Es gleicht dieses Capitel der Ouvertüre zu einer guten Oper, alle Töne und Melodien, die uns später entzücken sollen, sind schon hier angeschlagen. Es sind aber der Töne und Melodien so viele, daß sie sich nicht nach einander aufreihen und abzählen lassen. Selbst das Grundthema läßt sich nicht [267] mit wenig Worten charakterisiren. Ich will daher in den reichen Schatz von Betrachtungen und Gedanken hineingreifen und an verwandte Töne meine Bemerkungen knüpfen."

[Es folgt eine gründliche Auseinandersetzung mit Gutzkows Text, Kapitel für Kapitel. Besonders hervorzuheben ist die positive Einschätzung, die Oppermann dem Blick Gutzkows für die ‚soziale Frage' des Jahrhunderts zuteil werden lässt:]

[272] "Man hat in den Brockhausischen Blättern für liter. Unterhaltung [→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 1] die Gutzkow'sche Schilderung des aus der heutigen Armuth entwickelten Siechthums [Zg, Bd 1, S. 55-56] für ekelhaft ausgegeben. Das ist sie nicht; wohl aber schreckhaft. Zum Glück ist wenigstens das nicht ganz wahr, was von dem Verderben gesagt wird, das durch die Kartoffeln der Gesellschaft käme. Unsere neuern Chemiker wollen weder von dem Blausäuren-Gehalt der Kartoffeln etwas wissen, noch weniger aber unsere Aerzte von der stimulirenden Kraft derselben. - Aber das Siechthum, die Skrophulen der Armuth sind da, und sie sind Folgen der materiellen Unzulänglichkeiten. Fassen wir diese bildlich unter dem Namen der Kar-[273]toffeln zusammen, so ist dieses schreckhafte Gemälde doch wahr, wahr auch, daß Pietismus und die Revolution die extremen Folgen dieser im Volke verbreiteten materiellen Unzulänglichkeiten sind. -

Und die Mittel, diese Uebel zu lindern? Manche lernen wir im Verlaufe dieses Buches noch kennen, hier heißt es: ‚Man solle auf die Zeit selbst zu wirken und ihr die gedankenlose materielle Tendenz zu nehmen suchen, welche sich bedeutend mildern würde, wenn unsere Erziehung mehr für die wirkliche Welt geschähe und wir in der Schule schon lernten, vom Leben nicht allzugroße Hoffnungen zu hegen.

Verstehe ich recht, so ist es der Enthusiasmus für Menschenwohl, und die unbedingte Liebe zur Menschheit, die kräftigen nur und helfen kann. Gutzkow sagt: ‚Es ist der Enthusiasmus der Ueberzeugungen eine Kraft geworden, die unserer Zeit mit den Anfängen des Christenthums und der Reformation eine Aehnlichkeit giebt.' Dieser Enthusiasmus der Ueberzeugung ist es allein, von dem Heil zu erwarten ist in Verbindung mit der Steigerung der materiellen Künste. Aber es darf derselbe nicht auf eine einseitige Idee gerichtet sein, er muß das ganze Leben, die ganze Menschheit umfassen. Nicht ein einseitiger Enthusiasmus [274] für Republik, oder für Eisenbahnen, oder für Katholicismus, oder für Deutschthum, kann unser Jahrhundert fördern, sondern nur ein Enthusiasmus, der, auf wissenschaftlicher Ueberzeugung fußend, alle diese Interessen organisch in sich faßt, und nach ihrem verschiedenen Werthe an und für sich und zu dem Bedürfnisse der Zeit zu steigern, zu befestigen und zu verbinden weiß. [Globalkommentar: → 6.1.2.2. Frühe Soziologie; → 6.1.3.2. Naturwissenschaftliche Paradigmen; → 6.1.3.3. Frühe Kultursemiotik; → Enzyklopädie und Revue als Ordnungen des Wissens] [...]

‚Die Revolution war die Blüthe des 18ten Jahrhunderts, die Erfüllung alles dessen, worauf das 18te Jahrhundert verwies. Unsere Zeit emanzipirt nicht zur Revolution, sondern aus der Revolution. Wir [275] denken nicht mehr nur an Zerstören, sondern selbst unsere zerstörerischen Gedanken sind nur dazu da, um aufzubauen.' - Mit diesem Satze beginnt das zweite Kapitel und er wird weiter ausgeführt. Es wird gezeigt, wie der sociale Gedanke des Jahrhunderts aus dem Gedränge der wissenschaftlichen, religiösen und gesellschaftlichen Theorien, Träume und Neigungen gerettet werden könne! Ich möchte hier alles abdrucken lassen; denn Wahrheiten, wie sie hier gesagt sind, können nicht oft genug gesagt werden.

Das sind in der That die Probleme unserer Zeit, die hier gelöst werden; da ist der unselige Zwiespalt aufgedeckt, den Rousseau ahnete, als er seinen Emil schrieb, aber zu lösen nicht verstand. [Zg, Bd 1, bes. S. 11-33; → Globalkommentar: 6.1.3.4. Die Mode] Tausende der ausgezeichnetesten Menschen haben auf ähnliche Weise die Uebelstände unseres Lebens geahnet, viele haben durch Versuche aller Art sogar die Lösung derselben sogleich in's Leben einzuführen gestrebt - aus diesem Gesichtspunkte allein lassen sich allein die Bestrebungen des St. Simonismus, Fouriers, Owens richtig würdigen - aber mit solcher Klarheit und Bestimmtheit wie hier habe ich noch nie einen Ausspruch über diese Lebensfragen gefunden."

5.1.2.1. Rezensionen der Säkularbilder

1. [Wilhelm Heinrich] R[iehl]: Gutzkows Säkularbilder. In: Frankfurter Konversationsblatt 124, 5. Mai 1846, S. 494-495; Nr. 125, 6. Mai 1846, S. 498-499, und Nr. 126, 7. Mai 1846, S. 502-503. (Rasch 13/2.46.05.05)

▄Auffüllen▀

2. Wilhelm Heinrich Riehl: Kritische Skizzen. I. Die Ritter vom Geiste. In: Kölnische Zeitung 218, 11. September 1850, [S. 1-2]. (Rasch 14/29.50.09.11)

"Gutzkow will in den Rittern vom Geist [...] die Zeit der neuesten Revolution in ihren tausend Individualisirungen und Zersplitterungen, in der Poesie ihres buntfarbigen Particularismus abschildern. Kein Tendenz-Roman also, sondern eine poetische Encyclopädie aller Tendenzen der Zeit in ihrem Widerstreit und, falls ein solcher existirt, wohl auch in ihrem Zusammenklang. Diese Idee gemahnt an ein früheres Gutzkow'sches Werk: die Säcular-Bilder. Freilich eine viel ärmere, unpoetischere Zeit; das, was man in den dreißiger Jahren das neunzehnte Jahrhundert nannte, ist dort in allen Entfaltungen ihres Einzellebens aus einander gelegt, und diese Encyclopädie ist mehr eine journalistische als eine poetische. [→ Globalkommentar: 6.1.1. Die enzyklopädische Darstellungsweise der Zeitgenossen] Aber der Ansatz zum Roman Charaktere, zur Belebung des Raisonnements erfunden [Vorwort zu Säkularbilder, 1846, → Archiv: Quellenteil], bricht auch in den Säcular-Bildern durch. In den Rittern vom Geist soll, wie es den Anschein hat, umgekehrt das Raisonnement zur Belebung der Charaktere dienen."

5.2. Rezeptionsgeschichte

Zwei Faktoren behindern die Rezeption der Zeitgenossen. Der erste sind die literaturpolitischen Auseinandersetzungen, die auch nach dem Bundestagsbeschluss gegen die Jungdeutschen andauern (→ Lexikon, Bundestagsbeschluss). Selbst unter den gewichtigeren Rezensionen des Jahres 1837/38 findet sich keine, die ohne Parteinahme für oder gegen Gutzkow auskommt, und die eigentliche Diskussion des neuen Werkes wird dadurch oft vernachlässigt. Hinderlich wirkt sich zweitens ausgerechnet die Bulwer-Mystifikation aus, von der sich Gutzkow einen Publikumserfolg versprochen haben muss. Die Maske des englischen Autors bietet seinen Gegnern, die den wirklichen Verfasser erraten, sogar zusätzliche Angriffspunkte. Ein Großteil der Besprechungen konzentriert sich auf die Frage der Autorschaft und beschäftigt sich ebenso ausgiebig mit Bulwer wie mit dem vermuteten Autor, jedoch kaum mit dem Inhalt der Schrift. Im Fall der Rezensenten Gustav Pfizer (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 1) und Louis Lax (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 3) hat das einen speziellen Grund: Sie sind zugleich als Übersetzer an den deutschen Bulwer-Ausgaben beteiligt (→ Quellen, Folien, Anspielungshorizonte: Gattungsfolien), rezensieren daher eine konkurrierende angebliche Bulwer-Übersetzung, die sie als unecht durchschauen, und fühlen sich veranlasst, ihren Kenntnissen und Einschätzungen Bulwers Raum zu geben. Lax hat sogar als Erster "England and the English" übertragen (für den Verleger der Aachener Ausgabe, bei dem "England und die Engländer" noch im selben Jahr erschien wie das englische Original, d. h. 1833) und weiß, wovon er redet, wenn er auf stilistische Parallelen und Unterschiede in der diskursiv-fiktionalen Darstellungsweise Bulwers und Gutzkows hinweist. (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 3)

Die einzige größere Besprechung, die sich sowohl der analytischen Schreibweise als auch dem Gedankenspektrum der Zeitgenossen bis ins Detail und manchmal enthusiastisch nähert ▄(Rebenstein im "Gesellschafter" prüfen)▀, ist bezeichnenderweise ‚pro domo' geschrieben - es handelt sich um Oppermanns über fünfzig Seiten umfassenden Aufsatz aus dem "Jahrbuch der Literatur" . (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 5) Dieses Jahrbuch erschien Ende 1838 bei Hoffmann und Campe, und an seiner Entstehung war Gutzkow, seit Anfang 1838 Herausgeber des von Campe verlegten "Telegraph für Deutschland", maßgeblich beteiligt. Wie aber das "Jahrbuch" wegen des Streits um den darin zensiert erschienenen "Schwabenspiegel" Heinrich Heines nie über den ersten Jahrgang hinauskam und bald in Vergessenheit geriet, so konnte auch Oppermanns hervorragende Rezension keine längerfristige Wirkungsgeschichte der Zeitgenossen einleiten. Das besondere Verdienst dieser Würdigung ist es, auf Gutzkows eigenständige Entwicklung der Gesellschaftsanalyse in Analogie zu naturwissenschaftlichen, besonders medizinischen Verfahren hinzuweisen - eine Entwicklung, mit der sich der Autor auf der Höhe der frühsoziologischen ‚Physiologien' befindet, wie sie im französischen Journalismus seit Beginn der 30er Jahre entstanden. (→ Globalkommentar: 6.1.3.2. Naturwissenschaftliche Paradigmen)

Als Gutzkow die Zeitgenossen 1846 unter dem Titel Säkularbilder in seine Gesammelten Werke aufnahm, waren bereits die Junghegelianer tonangebend. Erläuterungen zu Tendenzen der Zeit wurden damit wiederum in jene Philosophie eingegliedert, aus der sich der Autor in den dreißiger Jahren - programmatisch in Zur Philosophie der Geschichte und pragmatisch in Die Zeitgenossen - ,herausgearbeitet' hatte, wie er im Vorwort zur zweiten Auflage der Säkularbilder von 1875 ausführt (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 4; → Globalkommentar: 6.1.2. Das Vorbild England). Im Vorwort von 1875 legt er auch nahe, was er in den Rückblicken ausdrücklich bekannt gibt, nämlich dass er von den Zeitgenossen bzw. Säkularbildern selbst nach fast vierzig Jahren nicht gering denke (Rue, S. 158). Es mag angesichts der für diese Schrift ungünstigen Rezeptionsbedingungen des Jahres 1837 und dann der 1840er Jahre tatsächlich zutreffen, dass ihr eine größere Wirkung beschieden gewesen wäre, hätte es sich wirklich um eine Übersetzung aus dem Englischen gehandelt - wie Gutzkow in den Rückblicken verbittert feststellt. (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Erklärungen Gutzkows, Nr. 5)

Dass die Fundamente des erfolgreichen Panorama-Romans Die Ritter vom Geiste (1850-51) in dem enzyklopädischen Jahrhundertporträt der Zeitgenossen bzw. Säkularbilder liegen, kam Lesern wie Wilhelm Heinrich Riehl, der 1846 die Säkularbilder und 1850 die Ritter vom Geiste rezensierte, zu Bewusstsein. (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rensionen der Säkularbilder, Nr. 1; Nr. 2; → Globalkommentar: 6.1.1. Die enzyklopädische Darstellungsweise der Zeitgenossen) Als Echo auf die genrebildliche Porträtierung des Jahrhunderts in den Zeitgenossen und auf das umfassende fiktionale Zeitporträt in den Rittern vom Geiste dürfte auch der neunteilige Roman des Zeitgenossen-Rezensenten Albert Heinrich Oppermann zu verstehen sein. (→ Dokumente zur Rezeptionsgeschichte, Rezensionen, Nr. 5) Sein Roman erschien unter dem Titel "Hundert Jahre. 1770-1870. Zeit- und Lebensbilder aus drei Generationen" posthum ab 1870 (Leipzig: Brockhaus, 1871; Reprint, hg. mit einem Nachwort und vielfältigen Materialien von Heiko Postma, 3 Bde, Frankfurt/M. 1982). Doch ist die aus der Rezeption hervorgehende Wirkungsgeschichte der Zeitgenossen damit auch begrenzt.

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