Das Diorama der Gebrüder Gropius in der Georgenstraße 12, um 1840.
(Irmgard Wirth: Berliner Biedermeier. Berlin 1972, S. 29.)

Monumentale Rundpanoramen, in extra für sie errichteten Gebäuden aufgestellt, waren eine in Europa weitverbreitete Art der Unterhaltung im 19. Jahrhundert. Auf der Zuschauerbühne im Zentrum des Rundgemäldes kann der Betrachter nicht mehr den einen idealen Sehpunkt einnehmen, wie er ihn quasi als Anleitung in den gerahmten Ansichten fand, denn die zentralperspektivische Konstruktion ist nun durch die Polyperspektive des Panoramas ersetzt. Dialektisch verschränkt leisten die Rundpanoramen beides, die Demokratisierung des Blicks wie die Befriedigung der Schaulust, die dem protokulturindustriellen Besitzer satte Gewinne bescherte. Gutzkows Konzeption des 'Romans des Nebeneinanders' kann als der Versuch einer literarischen Umsetzung der Rundpanoramen begriffen werden.

Das Diorama in Berlin war im Jahre 1827 eröffnet worden. Neben Boutiken mit "Mode-, Luxus- und Bequemlichkeits-Artikeln" und einem Kunstsaal enthält das "Etablissement" als Hauptbestandteil das Diorama selbst: "Es zeigt uns in einem brillant eingerichteten Lokale Oelgemälde von 2500 Quadratfuß Flächeninhalt, welche Flachgemälde von natürlicher Größe sind und nur eine Ansicht gewähren. Sie erhalten Wahrheit und Leben durch den Wechsel der Beleuchtung, welche durch eine genial erfundene Einrichtung jene Farben-Nüancen schafft, die uns Sonnenblicke, Abendröthe und alle übrigen Erscheinungen des hellern und trübern Lichtes zu zaubern verstehen. Auf diese Weise ist dem Berliner Publikum schon seit dem Entstehen der Anstalt eine lange Reihe höchst interessanter Ansichten vorgeführt worden, die alle mehr oder minder durch Fleiß, geschickte Auswahl oder eigenthümliches und historisches Interesse, ihr Publikum gefunden haben. Ganz besonders die Ansichten der Kirche von Brou, des Palastes Doria in Genua, das Innere der Kirche von Nordhampton, der Peterskirche in Rom, des Rempters von Marienburg u. s. w., und in dem Augenblick, wo dieses niedergeschrieben wird, der Teufelsbrücke und des großen Tempels von Apollinopolis. Eine sinnreiche Abwechselung, die uns einen neuen Kunstgenuß verschaffte, ist das in dem Diorama in den Jahren 1832 und 1833 aufgestellte Pleorama, wo sich die Zuschauer auf einer Barke befinden, und als Vorüberfahrende die auf beiden Seiten sich ihnen zeigenden Ufer zu betrachten Gelegenheit haben. Das Pleorama wurde im Jahre 1832 mit einer Fahrt auf dem Golf von Neapel eröffnet, und im Jahre 1833 folgten ihr die Rheinfahrt auf der Strecke zwischen Mainz und St. Goar; jede Fahrt dauert eine Stunde, und man erlegt dafür 20 Sgr." (Neuestes Conversations-Handbuch für Berlin und Potsdam [...], hrsg. durch einen Verein von Freunden der Ortskunde; unter dem Vorstande des L. Freiherrn von Zedlitz, Berlin 1834, S. 147-148.)